„Wir brauchen eine neue Kultur des Lernens“

LearningInnovation 03.29.2023

Nicht nur betriebliches Lernen ist im Umbruch, auch die Rolle von Personalentwicklern und Personalentwicklerinnen wird gerade neu definiert. Wie die Zukunft in erfolgsorientierten Unternehmen aussehen kann, darüber forscht und lehrt Prof. Dr. Nele Graf.

In einer Arbeitswelt, die vom rasanten technischen Fortschritt dominiert wird, reichen Ausbildung und Studium meist nicht mehr aus. Wer beruflich weiterkommen und Karriere machen will, der kommt um ständige Fortbildungen nicht herum. Auch für Unternehmen ist betriebliche Weiterbildung ein entscheidender Erfolgsfaktor. Der Begriff des lebenslangen Lernens ist heute aktueller als je zuvor. Doch auch Lernen will gelernt sein und unterliegt ständigen Veränderungen.

Wie die Zukunft des betrieblichen Lernens aussehen könnte, darüber sprachen wir ausführlich mit Prof. Dr. Nele Graf, die an der Hochschule für angewandtes Management Personal und Organisation lehrt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Anja Schmitz von der Hochschule Pforzheim entwickelte sie die erste deutschsprachige Definition für den Begriff „Agiles Lernen“. Darüber hinaus entwickelt Graf zusammen mit dem HRM Institute die Weiterbildung „ Agile/r Personalentwickler/in“ und bildet Agile Lerncoaches aus.

Die vordergründige Frage ist zunächst natürlich, was steckt hinter dem Begriff „Agiles Lernen“. Denn hierbei handelt es sich nicht nur um ein Individuum, das seinen Lernprozess selbst steuert. Für Graf lässt sich agiles Lernen von agilem Arbeiten nicht trennen. „Es geht darum, in der Arbeitswelt anpassungsfähig und innovationsfähig zu sein, egal in welchem wirtschaftlichen Kontext.“ Oder, in anderen Worten, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das gilt für Arbeitnehmende wie auch für Unternehmen.

Nach Auffassung von Graf muss betriebliches Lernen in vielen Kontexten interaktiver und experimenteller gestaltet werden als bisher. Die klassischen Weiterbildungsangebote à la Seminare oder Trainings genügen den Anforderungen des immer anspruchsvolleren Marktes nicht mehr. „Agiles Lernen“ betrifft daher nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Unternehmensorganisation. „Wir brauchen eine grundsätzlich andere Kultur des Lernens“, fasst es Graf in dem Gespräch mit HRM zusammen.

Für Personalentwickler und Personalentwicklerinnen heißt das, dass sie über ihre gewohnte Rolle hinauswachsen müssen. „Vor allem strategische Fähigkeiten werden von ihnen in Zukunft verlangt“, glaubt Graf. Dazu gehört herauszufinden, welche Art von Lernangeboten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen überhaupt brauchen. Ebenso müssen sich Personalentwickler und Personalentwicklerinnen der Frage stellen, wie sie ihre Mitarbeitenden konkret dabei unterstützen können, ihren Job zur Zufriedenheit aller auszuführen. Also individuelle und lösungsorientierte Ansätze finden, die mitunter nicht bequem sind. Der Personaler bzw. die Personalerin wird somit zum Lernexperten bzw. Lernexpertin.

Eine weitere Rolle für zukunftsorientierte Personalexperten und Personalexpertinnen ist nach Ansicht von Graf die des Brokers, oder Community Managers. „Seine Aufgabe ist, nicht nur Wissensträger miteinander zu verknüpfen, sondern auch Leute mit neuen Formaten und mit Content zusammenzubringen.“ Doch nicht nur das, auch neue und innovative Lernformate soll der moderne Personaler und die moderne Personalerin in die Unternehmen einbringen. „Das miteinander und voneinander Lernen ist ein ganz entscheidender Punkt“, glaubt die Wissenschaftlerin, „denn letztlich bedeutet agiles Lernen auch kollaboratives Lernen, bei dem der Einzelne gleichzeitig auch Teil des Lehrenden ist“. Der Lernende und die Lernende nimmt einerseits den konsumierenden Part des Zuhörers ein, andererseits gibt er/ sie gleichzeitig aktiv sein Wissen an die anderen Teilnehmer weiter.

Doch damit nicht genug. Graf sieht moderne Personalentwickler zudem in einer kulturfördernden Rolle. Lernwilligen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen muss Zugang zu Lernmöglichkeiten geschaffen werden, beispielsweise zu E-Learning- und betrieblichen Weiterbildungsangeboten. Und das möglichst ohne zeit- und

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Nele Graf

Leiterin des Forschungscenters CILL

Prof. Dr. Nele Graf beleuchtet Personalentwicklung als Forscherin, Unternehmerin und Beraterin. Sie lehrt an der HS für angewandtes Management und leitet das CompetenceCentre for Leadership & Learning, das zur Zukunft betrieblichen Lernens und weiterlesen auf Hrm.de

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